Warum ich keinen Instagram-Models mehr folge

Aktualisiert: Aug 30

„We struggle with insecurity because we compare our behind-the-scenes with everyone else’s highlight reel.“ - Steven Furtick, New-York-Times-Bestseller-Autor und Speaker

Übersetzt: Wir kämpfen mit Unsicherheit, weil wir unsere normalen Momente (ich finde Behinde-The-Scenes passt hier eigentlich ganz gut, auch im Deutschen) mit den Highlights der anderen vergleichen.

In diesem Artikel würde ich gerne über die Scheinwelt von Social Media-Plattformen sprechen und

- erklären, warum ich keinen Instagram-Models mehr folge,

- aufzeigen, welche Probleme ich sehe,

- die Frage behandeln, ob diese schlechte oder gute Vorbilder sind,

- über das Körper-Ideal Instagram-Model sprechen,

- über messbare Anerkennung reden,

- aufzeigen, was man seinen Kindern mit auf den Weg geben sollte

Ich nutze schon seit ungefähr Anfang 2013 sehr aktiv Instagram. Aktiv Instagram benutzen bedeutet für mich, dass ich jeden Tag auf dieser Plattform bin, Beiträge like und kommentiere, Stories mache (die nach 24 Stunden wieder verschwinden) und auch immer mal wieder etwas poste. Ich habe schon alle möglichen Trends kommen und gehen sehen und bin den verschiedensten Profilen gefolgt und wieder entfolgt wenn mich die Inhalte nicht mehr interessiert, genervt oder gar in schlechte Laune getrieben haben.

Den Begriff Instagram-Models muss ich nicht groß erklären, aber zum Begriff InfluencerInnen würde ich jedoch kurz vorweg etwas sagen. Der Begriff kommt von dem englischen Verb „to influence“, was übersetzt „beeinflussen“ heißt.

InfluencerInnen können also Personen sein, die in Themen wie Politik, Mode, Gesundheit oder Sport etwas zu sagen haben. Ich habe aber oft das Gefühl, dass sich mittlerweile Hinz und Kunz InfluencerIn nennt, nur weil er oder sie ihr Essen oder ihre Outfits schön fotografiert. So generieren sie sich dann so lange Follower, bis diese Zahl hoch genug ist, dass Firmen mit ihnen Werbe-Veträge schließen. Jetzt wird das Mädchen oder der Junge von nebenan dafür bezahlt, wenn er bestimmte Klamotten auf den Fotos trägt. Ihre Follower, Kinder und Jugendliche werde also beeinflusst. Aber zu was? Um Klamotten und andere Produkte zu kaufen? Einen wirklichen Mehrwert, mit dem ich beispielsweise etwas lernen kann oder eine Message, die mich inspiriert, sehe ich bei gefühlt (!) 99% aller so called InfluencerInnen nicht.

Warum ich keinen Instagram-Models mehr folge

Weil mich diese Profile nerven. Mich nerven diese Profile deshalb, weil sie die Realität nur sehr verzerrt abbilden. Die InhaberInnen dieser Profile um die es in diesem Artikel gehen soll, sogenannte Instagram-Models und InfluencerInnen, leben ein Leben vor, das nur die wenigsten Menschen haben. Sie jetten von einem Traum-Reiseziel zum nächsten, tragen nur die stylischsten Klamotten, essen das geilste (und natürlich gesündeste) Essen, unternehmen die verrücktesten und tollsten Dinge, haben die durchtrainiertesten Körper weil sie Sport einfach LIEBEN, werden laufend in den besten Posen fotografiert und scheinen nie traurig zu sein. Hinzu kommt, dass diese Profile einfach inhaltlich leer sind. Sie bringen mir also keinerlei Nutzen, außer dass ich mich danach frage, warum die Person schon zum dritten Mal auf den Bahamas Urlaub macht und ich immer noch am Schreibtisch sitze und den 17. Kaffee am Tag trinke, um die Deadline eines Projektes einzuhalten.


Ich bin anfangs auch Profilen von solchen Mädels (meistens in meinem Alter) gefolgt, die halt eben solche „Insta-Models“ waren. Gefolgt bin ich ihnen ursprünglich, weil ich ihren Style cool fand. Oder weil ich ihre Fotos einfach schön fand. Bis ich irgendwann gemerkt habe, wie ich jedes Mal, wenn ich solche Fotos gesehen habe (also täglich) mehr oder weniger schlecht drauf war. Allesamt hatten sie coolere Klamotten, geileres Frühstück und schönere Urlaube. Dachte ich. Dachte mein Unterbewusstsein. Ich habe das dann hinterfragt und bin ihnen allen entfolgt. Allen. Und es ging mir so viel besser damit! Dazu im Folgenden mehr.

Welche Probleme ich sehe

1. Social Media ist eine riesige Seifenblase. Damit meine ich, dass man natürlich viel mehr Profile angezeigt bekommt von eben solchen Leuten, als von Otto-Normal-Menschen, also Leuten, die nicht um die Welt jetten und jeden Morgen Avocado-Toast mit poached eggs essen. Warum? Weil solche Profile eine viel höhere Reichweite haben als die normalen Profile von Leuten wie Dir und mir, weil sie entweder Geld investieren, dass ihr Profil eine höhere Reichweite hat, oder weil ihre Profile von anderen Profilen geteilt werden und immer so weiter.

Das Problem lautet also, kurz und knackig: Wenn so viele dieser Profile auf Social Media kursieren, man sich also in dieser Seifenblase bewegt, dann könnte der Eindruck entstehen, dass JEDER ein geileres Leben hat, als man selbst. Die Folge: Schlechte Laune, Selbstzweifel, Druck.

2. Es werden nur die schönen Seiten gezeigt. Die Inhaber dieser Profile zeigen sich nie traurig, nie schlecht drauf, nie genervt, nie einsam, nie zweifelnd, nie ängstlich. Und das vermittelt den jungen FollowerInnen doch, dass dies ein Normalzustand sei. Das ist aber falsch, denn es ist vollkommen normal, auch mal traurig oder schlecht drauf zu sein. Und dieses Verschweigen der anderen Seite der Medaille kotzt mich an. Ich persönlich kann da - mittlerweile - relativ gut differenzieren und weiß,

- dass hinter jedem tollen Fotos zig Anläufe stehen, die es gebraucht hat, um diesen „spontanen Schnappschuss“ zu inszenieren. Häufig in der Öffentlichkeit, an irgendwelchen Stränden oder Plätzen, was ich persönlich einfach nur super peinlich finde. Als ich auf Bali war, habe ich ab und zu solche Foto-Shootings am Strand live miterlebt und hab mich so fremdgeschämt. Das Mädchen posiert dann (teilweise in echt lasziven Posen) ganz „natürlich“ am Strand und tut so, als würde sie nicht merken, dass sie fotografiert wird und der Freund macht diesen Zirkus mit und macht gut und gerne mal 30 Minuten irgendwelche „spontanen“ (!!!) Fotos von ihr. Ihre Laune wird zusehends schlechter, weil das perfekte Foto einfach nicht dabei ist. Später landet es dann auf Instagram, nachdem es natürlich noch eine weitere Stunde bearbeitet wurde. Mit der Bildunterschrift „Don’t worry, be happy“ oder besser noch: "Enjoy the moment". Ja, dass ich nicht lache.

- dass hinter jeder Reise auch die entgangene Familienfeier oder die Geburtstagsparty der besten Freundin steht, die man wiedermal verpasst.

- dass hinter jeder Reise auch die Einsamkeit und Müdigkeit steht, die damit einhergeht, ständig irgendwelche Flüge kriegen zu müssen, um dann für einen Job oder eine Kooperation irgendwohin zu reisen und die meiste Zeit dann doch alleine im Taxi, Hotel oder Flugzeug zu sitzen.

Wie gesagt, ich kann solche Fotos hinterfragen, differenziert betrachten, aber können das auch junge Mädchen und Jungen? Ich befürchte, dass sie eher denken, dass sie genau so ein Leben auch wollen. Also ich kann in erster Linie nur von mir sprechen, aber wäre ich gerade in der Pubertät und würde diese ganzen Profile sehen, würde ich so ein Leben auch wollen. Da bin ich ganz ehrlich.



Photo by Daria Shevtsova from Pexels

Vorbilder, die keine sein sollten? Oder doch? Oder nicht?

Wie schon der Titel dieses Blog-Beitrags klar macht, handelt es sich in diesem Artikel mehr denn je um meine eigene Meinung. Das möchte ich an dieser Stelle nochmal deutlich machen.

Ich persönlich finde, dass Instagram-Models und InfluencerInnen für unsere Kinder keine guten Vorbilder sind. Mir fällt es gerade sehr schwer, diese Zeilen zu schreiben, weil es so ein schmaler Grat ist. Denn klar ist es lobens- und erstrebenswert Sport zu machen und sich gesund zu ernähren.

Ich würde mir aber manchmal wünschen, dass die ganzen InfluencerInnen öfter auch mal die Schattenseiten zeigen. Beispielsweise wie viele Anläufe es gebraucht hat, das eben gepostete Bild zu schießen. Dass es auch mal ungesundes Essen sein darf. Dass man mal zu müde für Sport ist. Dass man sich auch mal einsam fühlt, wenn man auf Reisen (oder auch zuhause) ist. Dass man auch zugibt, wenn man mal schlecht drauf ist. Dass der Job auch manchmal echt nerven und belastend sein kann. Dass man auch mal Liebeskummer hat. Dass man auch mal Gammel-Klamotten anhat. Dass man eigentlich gerade nur so muskulös aussieht, weil das Licht gut fällt.

Diese Leute haben sich für ein Leben in der Öffentlichkeit entschieden. Niemand kann etwas von ihnen erwarten. Auch ich fordere nicht von ihnen, dass sie die Schattenseiten zeigen. Das ist ja schließlich privat. Aber ich würde es mir wünschen. Nicht für mich selbst, sondern für die jungen Mädchen und Jungs, die zu ihnen aufschauen.


Ob Instagram-Models und InfluencerInnen nun gute oder schlechte Vorbilder sind, hängt selbstverständlich vom einzelnen Profil ab. Bringt es einen Mehrwert? Inspiriert es mich? Macht es mir Spaß? Ist die Person real, greifbar, echt? Oder eher eine Person, die so perfekt ist, dass ein Nacheifern zwangsläufig mit Scheitern und somit mit schlechter Laune verbunden ist?

Körper-Ideal: Instagram-Model

Selbstdarstellung war noch nie so einfach wie heute. Mit Smartphones kann man 300 Bilder innerhalb kürzester Zeit schießen, das Beste davon auswählen, den Rest direkt wieder löschen. Dann wird das Bild noch mit Filtern oder Retuschier-Programmen bearbeitet und dann gepostet. Eine möglichst tiefgründige Bildunterschrift und der Hashtag #Schnappschuss noch dazu und voilà, ein weiteres Bild der vermeintlichen Traumfrau/des vermeintlichen Traummannes ist online und beeinflusst Jungs und Mädels in ihren Kinderzimmern auf der ganzen Welt.

Was mich an all diesen Profilen stört, ist, dass sie vermitteln, dass diese perfekten Körper, den sie alle haben, die Norm seien. Und, ganz wichtig: Dass das reale Körper seien. Was man nämlich unbedingt mit den Kindern teilen sollte, ist die Info, dass es oftmals nicht die großen Retuschen sind, bei denen jeder direkt weiß, dass das Foto fake ist (große Brüste, so perfekte Haut, dass sie aussieht wie Plastik, etc.). Sondern am „hinterlistigsten“ sind die Fotos, bei denen die Haut kaum merklich reiner, die Zähne nur ein bisschen weißer, der Bauch nur ein klein wenig straffer und der Oberarm nur einen Ticken muskulöser gemacht wurde. Bei genau diesen Fotos denkt man nämlich, dass nichts daran fake ist und die Leute wirklich so toll in natura aussehen.


Ich hatte in der Pubertät definitiv noch kein ausgereiftes Körper- und Selbstbewusstsein und hätte mich ständig mit diesen Profilen verglichen. Das Ergebnis wäre wohl eher nicht zu meinen Gunsten ausgefallen. Denn mit einem perfekten, retuschierten, Bikini-Bild auf den Malediven konnte ich an einem normalen Tag in der Schule in Jogginghose und Sweatshirt nicht mithalten.

Aber auch jetzt noch, mit meinen 25 Jahren könnte ich nicht von mir behaupten, dass mein Selbstbewusstsein so stark ist, dass es mir nichts ausmachen würde, solchen Profilen zu folgen. Würde ich ständig (ich bin täglich mehrmals auf Instagram) diese perfekten Körper an den schönsten Orten der Welt sehen, würde ich mich doch zwangsläufig damit vergleichen. Und mich fragen: Mache ich eigentlich irgendwas falsch? Warum sitze ich hier in Gammelklamotten am Schreibtisch, habe das Frühstück vor lauter Stress vergessen, esse abends Pizza, arbeite mir den Arsch ab und versuche Eltern aufzuklären, wenn es doch scheinbar reichen würde, ein paar Selfies im Bikini zu posten, um damit ein Geschäftsmodell aufzubauen. Ich spreche jetzt absichtlich überspitzt, um meinen Punkt zu verdeutlichen.




Wenn Anerkennung plötzlich messbar wird

Ich möchte gar nicht bestreiten, dass Menschen sich schon immer miteinander verglichen haben. Ich habe mit meinen Eltern und Großeltern geredet und alle sagten mir, dass man sich natürlich früher auch schon mit anderen verglichen hat. Mit Persönlichkeiten aus dem TV oder Superstars oder den Leuten aus dem direkten Umkreis. Wer aus der Klasse kam bei den Jungs gut an oder wer war der bessere Fußballspieler. Sich mit anderen zu vergleichen ist ja auch nicht zwangsweise schlecht. Nur kann es in der heutigen Zeit groteske Züge annehmen.

Denn:

1. Heutzutage ist es messbar, wie beliebt Du bist. Oder zumindest denkt man das. Mit der Anzahl Deiner Follower, mit der Anzahl der Likes unter jedem Deiner Bilder. Sich damit zu vergleichen fällt leichter, da es messbare Werte sind. Und das macht es schlimmer als damals. . Immerhin hat Instagram vor ein paar Monaten die sichtbare Anzeige der Likes abgeschafft. Zuvor sah man, wie vielen Leuten ein Post gefiel. Jetzt sieht man diese Zahl nicht mehr. Instagram begründete das damit, dass sie möchten, dass sich die Leute wieder mehr auf das konzentrieren, was sie posten und nicht darauf, wie viele Likes es erzielen könnte. Ich persönlich halte das für einen guten Schritt.

2. Was früher weit entfernte Stars und Sternchen aus dem TV waren, die man angehimmelt hat, sind heute Leute wie Du und ich auf Social Media. Bei jedem Mal, wenn wir Social Media öffnen, sind wir einer Flut von Highlights ausgesetzt, mit denen wir unsere normalen Momente vergleichen, siehe das Zitat, mit dem ich den Artikel eröffnet habe.

Die Stars und Sternchen aus TV & Zeitschriften waren früher so perfekt, so ungreifbar, dass man sie zwar anhimmelte, sich aber kaum mit ihnen direkt verglichen hat. War es doch so eine komplett andere Welt. Was aber heute die negativen Gefühle noch verstärkt: Diese InfluencerInnen sind oft in unserem Alter und haben scheinbar schon sehr viel mehr erreicht oder führen ein – ich wiederhole: vermeintlich - so viel besseres Leben als wir (hier lehne ich wieder an das um-die-Welt-jetten an). Aus weit entfernten Popstars wurden Mädels und Jungs von nebenan. Und damit steigt der Druck, dass es ja jeder schaffen kann, so ein Leben zu leben und so aussehen zu müssen.

Was sollte man seinen Kindern mitgeben?

Zuallererst müssen wir uns klarwerden, dass nicht Social Media generell zu verteufeln ist. Wie Bailey Parnell in ihrem TEDx-Talk „Is Social Media hurting your mental health?“, den ich Euch übrigens ans Herz legen möchte, sagt:

„You wouldn’t blame Samsung television for a bad TV show.“ (Du würdest nicht Samsung die Schuld für eine schlechte Fernsehserie geben).

Ich habe schon vor 2,3 Jahren mit meinen jüngeren Schwestern über diese Thematik gesprochen und sie gebeten, keinen Instagram-Models oder InfluencerInnen zu folgen. Drastisch, ich weiß. Ich habe ihnen natürlich meine Gründe dargelegt und sie haben sich dann selbst dafür entschieden, wem sie entfolgen und bei wem sie keine negativen Gefühle bekommen. Und dann ist das auch vollkommen in Ordnung für mich. Denn viele folgen Profilen, um sich zu inspirieren und zu motivieren. Und da gibt es eben solche und solche Profile. Die, die Dich hochpushen und die, die Dich runterziehen.

Bittet deshalb eure Kinder oder jüngeren Geschwister vielleicht einfach, dass sie mal ganz aufmerksam Social Media (wie z.B. Instagram) konsumieren. Dass sie mal darauf achten, welche Profile nur negative Gefühle erwecken und welche nicht. Die der ersten Sorte sollten dann direkt aussortiert werden.

Außerdem fände ich es gut, wenn man mal gemeinsam mit dem Kind diese ganzen, tollen Fotos hinterfragt. Zusammen überlegt, wie viele Anläufe wohl nötig waren für diesen vermeintlich spontanen, perfekten Schnappschuss (Witziger Link!). Ob die Leute, Passanten, nicht komisch geguckt haben, wenn sie eine solche Szenerie beobachtet haben (zB ein „Foto-Shooting“ mitten in der Stadt). Wer dieses Foto gemacht hat. Der Freund oder die Freundin? Kommen die sich nicht komisch dabei vor? Und wie viel wurde dann im Nachhinein am Foto retuschiert?

Abschließend lässt sich also sagen, dass es sich lohnt, auch auf Social Media hygienisch zu sein und genauer hinzugucken: Profile, die einen nur runterziehen, sollte man löschen. Perfekt scheinende Fotos gerne auch mal hinterfragen. Denn ansonsten kann Social Media und der damit einhergehende ständige Vergleich mit Anderen zu schlechter Laune, bis hin zu Depressionen führen.


Auf Social Media sieht man nur die Highlights, das dürfen wir nicht vergessen und müssen wir unbedingt unseren Kindern vermitteln.





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