Die JIM-Studie 2019 - die Essenz


Die JIM-Studie mag ich deshalb so gerne, weil sie wirklich alles Interessante aus der Lebenswelt Jugendlicher in Bezug auf Medien abfragt. Seit 22 Jahren erscheint sie ein Mal jährlich. Online kann man kostenlos alle Studien einsehen und es ist höchst spannend, die Jahre so miteinander vergleichen zu können. Die Studie hat 60 Seiten, ich fasse in diesem Artikel also nicht die komplette Studie zusammen, sondern lediglich die Punkte, die ich für interessant erachte. Die Studie wird vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest erhoben, was sie zu einer guten Quelle macht, da niemand dahintersteckt, der auf ein bestimmtes Ergebnis aus ist.

Wer selbst mal in die JIM-Studie 2019 reinlesen möchte, hier entlang. https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2019/JIM_2019.pdf

Und hier geht es zur JIM-Studie 2018. https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2018/Studie/JIM2018_Gesamt.pdf

Über die Studie:

  • Die JIM-Studie wird seit 1998 vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest erhoben

  • JIM steht für Jugend, Information, Medien

  • Sie untersucht das Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen im Alter von zwölf bis 19 Jahren

  • Die Abfrage erfolgte telefonisch von Mai bis August 2019 (CATI = Computer Assisted Telephone Interview)

  • Es wurden 1.200 Jugendliche befragt

  • Die Studie ist repräsentativ

1. Gerätebesitz der Jugendlichen 2019

96% aller Mädchen und 94% aller Jungen besitzen ein Handy oder Smartphone. Erstmal nicht wirklich überraschend. Aber, was mich doch etwas stutzig macht, ist, dass 2018 97% aller Mädchen und 97% aller Jungen angaben, ein Handy oder Smartphone zu besitzen, also ein und drei Prozentpunkte mehr als im Folgejahr. Ich hätte eigentlich gedacht, dass die Zahl steigen und nicht sinken würde.


2. Medienbeschäftigung in der Freizeit 2019

Erstmal sei gesagt, dass zu der „Medienbeschäftigung“ alle Medien dazugezählt wurden, von Büchern, über Musikhören, Tageszeitungen, E-Books, Radio, Fernsehen, digitale Spiele, usw. Bei der Frage nach der täglichen Nutzung steht das Smartphone mit 92% an erster Stelle, auf Platz 2 mit 89% das Internet und auf Platz 3 mit 77% Musikhören. Hier wurde nicht in Mädchen und Jungen aufgeteilt, die Basis waren alle 1.200 Befragten. Übrigens: Einen deutlichen Sprung machten die Video-Streaming-Dienste von 2017 auf 2018 mit +24 Prozentpunkten. Von 2018 zu 2019 jedoch nur noch einen Anstieg von 28% auf 30% (täglich).


3. Bücher und Lesen 2019

2019 gaben 34% aller Befragten an, täglich oder mehrmals pro Woche zu lesen (gedruckte Bücher; nicht für die Schule). Das ist zwar der niedrigste Wert seit zehn Jahren (2009), aber in diesen zehn Jahren betrug der höchste Wert auch nur 44% und er lag meistens irgendwo um die 40%-Marke.

2019 gaben immerhin 18% aller 1.200 Befragten an, nie ein gedrucktes Buch zu lesen. Ganze 75% gaben an, nie ein E-Book zu lesen. Das scheint wohl noch nicht so wirklich angekommen zu sein.


4. Radio, Musik, Spotify & Co. 2019

Klar, an erster Stelle von Musik-Streaming-Diensten, YouTube, Radiosendern, MP3/Downloads, CD/Platte, Webchanneln und Smartspeakern stehen die Musik-Streaming-Dienste mit 50% täglicher Nutzung. Was mich ehrlich gesagt überrascht hat: dass 7% der 1.200 befragten Jugendlichen täglich CD/Platte hören. Ich hätte mit einer noch kleineren Zahl gerechnet.


5. Liebste Internetangebote 2019

Aus 13 verschiedenen Angeboten (Twitter, Twitch, Snapchat, Netflix, Google, etc.) konnten die befragten Jugendlichen bis zu drei Angebote wählen.

Mit deutlichem Abstand liegt YouTube mit 63% auf dem ersten Platz, WhatsApp mit 36% auf Platz zwei und Instagram mit 35% auf Platz drei. WhatsApp hat seit 2018 drei Prozentpunkte verloren und Instagram hat 5 Prozentpunkte gewonnen. YouTube hatte auch 2018 schon 63%.


Was mich sehr erstaunt hat: TikTok kommt in dieser Auflistung nicht vor. Ich denke aber, dass sich das bei der Auswertung von 2020 ändern wird, denn viele haben sich in der Corona-Krise die App installiert. Ich selbst nutze die App fast täglich und es war fast schon ein Running Gag, dass so viele ihr erstes Video gepostet haben und dort sagten, dass sie sich die App eigentlich nur aus Langeweile in der Quarantäne geholt haben. (Was ist TikTok? Hier entlang, ich habe da schon einen Artikel drüber geschrieben).

6. Aktivitäten im Internet – Schwerpunkt Kommunikation 2019

Wenn die Befragten nach Kommunikations-Angeboten gefragt werden, die sie täglich oder mehrmals pro Woche nutzen, kommt TikTok immerhin auf Platz fünf von neun. Den ersten Platz belegt WhatsApp, Platz zwei Instagram, Platz drei Sapchat. Den letzten Platz belegt der sichere Messenger Threema. Die Nutzung fast aller angegebenen Kommunikations-Apps ist um ein paar Prozentpunkte rückläufig von 2018 zu 2019. Außer TikTok, das 2018 gar nicht abgefragt wurde und 2019 immerhin auf 14% kommt. Und auch Threema wurde 2018 nicht abgefragt, kommt aber auch 2019 nur auf 3%.


7. Fridays For Future 2019

Mich überrascht auch, dass zwar 94% aller Jugendlichen schon mal von Fridays For Future gehört haben, allerdings „nur“ 21% davon schon mal selbst an einer FfF-Demo teilgenommen haben. Ich hätte auf mehr getippt.


8. YouTube-Nutzung 2019

Auch hier war ich wiedermal erstaunt. Nämlich darüber, dass von 17 Möglichkeiten immer noch Musikvideos an erster Stelle stehen. Lustige Clips stehen auf Platz zwei und Platz drei überrascht mich dann schon wieder: Fremdsprachige Videos ansehen.

Tutorials und Erklärvideos für Schule/Ausbildung befinden sich im Mittelfeld der Umfrage, was ich super finde. Darüber habe ich auch schon mal über meinem Artikel über Gründe, warum wir YouTube lieben, geschrieben.


9. Cyber-Mobbing 2019

Ganze 31% der befragten Jugendlichen bejahen die Frage, ob sie schon mal mitbekommen haben, ob jemand im Bekanntenkreis per Smartphone online fertiggemacht wurde. Das finde ich ganz schön viel. Acht Prozent geben an, schon mal selbst Opfer von Cyber-Mobbing gewesen zu sein, wobei es bei Mädchen mit 11% fast doppelt so häufig vorkommt, wie bei Jungen (4%). Liegt das vielleicht daran, dass sich Jungs eher mal „einfach“ prügeln?

Hier geht es zu meinem ausführlichen Artikel über Cyber-Mobbing.




Photo by Lukas from Pexels.

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